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Brasilien
Information :
Stand: Mai 2003
Sowohl Brasilien als auch Deutschland messen den bilateralen Beziehungen
wie auch den biregionalen Beziehungen zwischen der EU und Lateinamerika
insgesamt strategische Bedeutung bei. Der bilaterale politische Austausch
ist breit angelegt und umfaßt auch die Themen Menschenrechte, Umweltschutz,
Schutz indigener Völker und entwicklungspolitische Zusammenarbeit.
In vielen Fragen auf der internationalen Agenda, so z.B. hinsichtlich
der Reform des Systems der Vereinten Nationen, der internationalen Abrüstungspolitik,
der Fortentwicklung des internationalen Strafrechts und der internationalen
Strafgerichtsbarkeit, aber auch beim Bekenntnis zum Ausbau des multilateralen
Systems der internationalen Zusammenarbeit liegen die Standpunkte von
Brasilien und Deutschland eng beieinander. Dies zeigte sich zuletzt bei
der übereinstimmenden Position in bezug auf den Irak-Krieg. Besondere
Aufmerksamkeit widmen sowohl Deutschland wie auch Brasilien dem wissenschaftlich-technologischen
und dem kulturellen Austausch. Beiträge deutscher Einwanderer bis
in die Gegenwart werden ausdrücklich anerkannt. Es besteht eine Vielzahl
von Brücken zwischen Nicht-Regierungsorganisationen in beiden Ländern.
Zu einer Intensivierung der ohnehin guten Beziehungen kam es in den frühen
neunziger Jahren. Zwei Besuche von Bundeskanzler Kohl (1991 und 1996),
ein erster Besuch von Staatspräsident Cardoso (1995), ein weiterer
Gegenbesuch von Bundespräsident Herzog (1995) sowie eine bis dato
nicht gekannte Zahl gegenseitiger Minister- und Abgeordnetenbesuche haben
den Beziehungen eine neue Qualität gegeben. Präsident Cardoso
traf Bundeskanzler Gerhard Schröder im April 1999 in Bonn. In seiner
Eigenschaft als EU-Ratspräsident hatte Bundeskanzler Schröder
gemeinsam mit Staatspräsident Cardoso den Vorsitz des Gipfels der
Staats- und Regierungschefs Europas, Lateinamerikas und der Karibik in
Rio de Janeiro inne (28.06.1999). Im darauffolgenden Jahr besuchte Staatspräsident
Cardoso Deutschland gleich zweimal: zu den deutsch-brasilianischen Unternehmertagen
in Potsdam (März 2000) und anläßlich der Konferenz zum
Thema "Modernes Regieren im 21. Jahrhundert" (Juni 2000), zu
der Bundeskanzler Schröder nach Berlin eingeladen hatte. Am 13. und
14. Februar 2002 besuchte Bundeskanzler Schröder mit einer großen
Unternehmerdelegation Brasilien. Sein erster bilateraler Besuch führte
den neuen Staatspräsidenten Lula bereits wenige Wochen nach seinem
Amtsantritt nach Deutschland.
Wirtschaftsbeziehungen
Brasilien ist Deutschlands wichtigster Handelspartner in Lateinamerika.
Die deutschen Exporte nach Brasilien beliefen sich 2002 auf 4,899 Mrd.
EUR (2001: 5,708 Mrd. EUR), die Importe aus Brasilien auf 3,77 Mrd. EUR
(2001: 4,085 Mrd. EUR). Brasilien liegt damit als Abnehmerland deutcher
Waren auf Platz 25 und als Lieferland auf Platz 26. Der Bestand der deutschen
Direktinvestitionen im Jahr 2000 betrug 8,582 Mrd. Euro. Deutschland ist
damit der drittgrößte Auslandsinvestor in Brasilien, dies bei
allerdings in den letzten Jahren stark sinkendem Anteil an neuen Auslandsinvestitionen
in Brasilien. Die deutsche Beteiligung an den brasilianischen Privatisierungen
der letzten Jahre (insbesondere Telekommunikation, Bankenwesen) macht
nicht einmal 1% aus. Die Bereiche Energie und Wasser wurden in der Spätphase
der Ära Cardoso von weiterer Privatisierung vorläufig ausgenommen.
Deutsche Unternehmen haben sich für diesen Bereich stärker interessiert.
Wichtig ist, dass die bereits in Brasilien tätigen deutschen Tochterunternehmen,
ca. 800 an der Zahl, zunehmend reinvestieren. Bis 2005 sollen 2,5 Mrd
EUR investiert werden.
Wichtigste bilaterale Wirtschaftsabkommen sind:
* Doppelbesteuerungsabkommen vom 27.06.1975, in Kraft seit 01.01.1976
* Seeverkehrsvertrag vom 04.04.1979 mit 2. Zusatzprotokoll vom 18.11.1992
* Investitionsschutz- und -fördervertrag vom 21.09.1995 (bislang
von Brasilien noch nicht ratifiziert).EU und Mercosur vereinbarten Ende
Juni 1999 auf dem Gipfel in Rio de Janeiro die Aufnahme von Verhandlungen
mit dem Ziel eines Assoziierungsabkommens. Die 10. Runde der Verhandlungen
ist für 23.-27. Juni 2003 in Asunción vorgesehen.
Entwicklungszusammenarbeit
Mit bisher über 1,5 Mrd. EUR deutscherseits zur Verfügung gestellter
Mittel im Rahmen der Technischen und Finanziellen Zusammenarbeit sowie
den über private Träger und Kirchen eingesetzten Mitteln steht
Brasilien an der Spitze der lateinamerikanischen Partnerländer. Neben
den umfangreichen Privatinvestitionen deutscher Unternehmen ist die Entwicklungszusammenarbeit
der zweithöchste Posten im bilateralen
Kooperationsprozess.
Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit hat der brasilianischen Entwicklung
wichtige Impulse gegeben durch die Aus- und Fortbildung brasilianischer
Fach- und Führungskräfte, den Aufbau eines eigenen Berufsbildungssystems,
durch wichtige Beiträge im Normenwesen, in der Qualitätskontrolle,
Messwesen etc., Maßnahmen, die vor allem der brasilianischen Klein-
und Mittelindustrie zugute kamen. Das derzeit laufende Programm umfaßt
insbesondere Projekte und Programme zum Schutz der brasilianischen Tropenwälder,
Wasserversorgung und Abwasserentsorgung in ländlichen Regionen, industriellen
und städtischen Umweltschutz sowie Maßnahmen zur Minderung
der ländlichen Armut.
Im Bereich Umweltschutz ist Deutschland der größte bilaterale
Geber und finanziert allein im internationalen Pilotprogramm zum Schutz
der tropischen Wälder mit rd. 250 Mio. EUR fast die Hälfte.
Das Programm ist durch seine internationale Beteiligung sowie seine Abstimmungs-
und Verhandlungsmechanismen weltweit einmalig.
Kulturelle Beziehungen
Auch im Kulturbereich ist Brasilien ein wichtiger Partner für Deutschland;
so wie umgekehrt in Brasilien traditionell großes Interesse an der
Zusammenarbeit mit Deutschland zu finden ist. Bereits 1969 wurde die kulturelle
Zusammenarbeit in einem gemeinsamen Kulturabkommen formalisiert.
Goethe-Institut Inter Nationes ist mit fünf Kulturinstituten in Brasilien
vertreten: São Paulo, Curitiba, Porto Alegre, Rio de Janeiro und
Salvador. Darüber hinaus fördert Goethe-Institut Inter Nationes
das Goethe Zentrum in Brasília, das deutsch-brasilianische Kulturzentrum
in Recife und die DAAD-Kulturlektorate in Belém, Fortaleza und
Belo Horizonte.
Deutsch als Fremdsprache erfreut sich in Brasilien nicht nur in den traditionellen
Gebieten deutscher Einwanderung im Süden des Landes großer
Beliebtheit mit wachsenden Schülerzahlen. Dabei wird Deutsch heute
zunehmend als wichtige Berufsqualifikation betrachtet.
In Brasilien bestehen drei deutsche Begegnungsschulen. Davon befinden
sich zwei in São Paulo, die dritte in Rio. In Porto Alegre gibt
es eine Schule mit verstärktemDeutschunterricht.
Wachsende Bedeutung gewinnt die Hochschulzusammenarbeit mit Brasilien,
das schon heute wichtigster Partner des Deutschen Akademischen Austauschdienstes
(DAAD) in Lateinamerika ist. Die Feierlichkeiten zum 30-jährigen
Bestehen der DAAD-Außenstelle in Rio de Janeiro im September 2002
zeigten die durch die langjährige Zusammenarbeit entstandenen Verknüpfungen
zwischen beiden Ländern. Bislang konnten schon über 28.000 Studenten
und Wissenschaftler von den zahlreichen Stipendienprogrammen profitieren,
und es bestehen über 50 Partnerschafts- und Forschungsprogrammvereinbarungen
zwischen deutschen und brasilianischen Universitäten. Zu den wichtigsten
Austauschprogrammen, die der DAAD gemeinsam mit seinen brasilianischen
Partnern durchführt, zählt das Jahresstipendiatenprogramm für
brasilianische Doktoranden (jährlich ca. 60 Stipendiaten). In der
1998 geschaffenen Arbeitsgruppe "Bildungszusammenarbeit" werden
die Grundsätze und Schwerpunkte der Hochschulzusammenarbeit festgelegt
und ständig angepaßt. Wichtige Impulse zur Intensivierung der
Zusammenarbeit auf diesem Gebiet hat der Brasilien-Besuch der Bundesministerin
für Bildung und Forschung, Edelgard Bulmahn im Herbst 2000 gegeben.
Acht entsandte DAAD-Lektoren sind in Brasilien eingesetzt (darunter die
Kulturlektoren in Belém und Fortalezza, sowie in Belo Horizonte).
Sie sind zunehmend auch mit Studienberatung und Information betraut.
Auch der künstlerische Austausch zwischen Brasilien und Deutschland
hat sich in den letzten Jahren intensiviert. Die Kunstbiennale 2002 in
São Paulo stand unter dem Motto "Iconografias Metropolitanas"
und räumte Deutschland einen renommierten Platz ein. Ebenso war Deutschland
hochrangig bei der ArtMídia 2002 vertreten. Daneben fanden Ausstellungen
zu Johann Moritz Rugendas und eine Marlene Dietrich/Leni Riefenstahl-Retrospektive
großes Medienecho. Im musikalischen Bereich kehrte durch eine "Parsifal"-Aufführung
in Salvador de Bahía Richard Wagner nach Brasilien zurück.
Für 2003 wird der Windsbacher Knabenchor zu einer Brasilientournee
erwartet.
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